Gedanken an Eisbär Lloyd

Kürzlich haben wir erfahren, dass unser langjähriger Wegbegleiter, Eisbär Lloyd, nach kurzer Krankheit verstorben ist. Nachfolgend möchten wir noch einmal auf sein Leben zurückschauen.  

Im Februar 2002 erhielt der Zoo am Meer aus dem Tiergarten Schönbrunn (Wien) die Anfrage, ob Eisbärin Olinka mit ihrem damals noch namenlosen, männlichen Jungtier übernommen werden könnte, da die Anlage in Wien umgebaut werden sollte. Das Jungtier könne dann im Zoo am Meer verbleiben, wo zu der Zeit nur noch die betagte Eisbärendame Irka lebte. Die Zusage erfolgte prompt, da es damals schwierig war, überhaupt Eisbären zu bekommen und die neue Eisbären-Anlage im Zoo am Meer kurz vor der Fertigstellung war. Kurz nach der Ankunft in Bremerhaven fand die Taufe des Jungtieres auf den Namen „Lloyd“ unter großer Anteilnahme der Bremerhavener Bevölkerung statt. Die Bremerhavener Lloyd-Werft übernahm mit Freude die Patenschaft.


Lloyd und Olinka zogen Anfang 2003 in die neue große Anlage und ihre Lieblingsbeschäftigung war, die gerade frisch gepflanzten Kiefern auszurupfen und im Wasser zu versenken. Lloyd wurde älter und es kam der Moment, wie in der Natur auch, an dem Mutter Olinka ihn vertrieb. Er hielt das zunächst für Spielerei und nahm Olinkas Abwehr nicht ernst, bis Olinka ihm ein Stück von der Zunge abbiss. Eine lebenslange Kennzeichnung.  
Olinka verließ den Zoo und Lloyd teilte sich mit der älteren Irka die Anlage. Ganz einspannt konnte er älter und damit geschlechtsreif werden. Die mit der Hand aufgezogene Bärin Senja kam 2005. Sie verstand seine Annäherungsversuche nicht und so kam sie 2006 bei Paarungsversuchen zu Tode.

Bärin Viktoria aus dem Hagenbecker Tierpark kam 2008 und es entwickelte sich zwischen den Beiden über mehrere Jahre ein harmonisches Miteinander, nur der erhoffte Nachwuchs blieb aus. Viktoria musste 2011 zurück nach Hamburg, da dort die neue Eisbärenanlage mittlerweile fertiggestellt war.

2012 zog dann die junge Bärin Valeska ein, die 2004 im Zoo Rostock geboren war. Die Zusammenführung klappte auf Anhieb und die beiden waren ein sehr harmonisches Paar. Am 16.12.2013 konnte mit Lale nach 40 Jahren wieder ein Eisbärenjungtier im Zoo am Meer begrüßt werden. 2015 kam Lili und 2019 die Zwillinge Anna & Elsa dazu. Danach wurde die Zucht mit diesem Paar beendet, da die genetische Vielfalt in der Zoopopulation erhalten bleiben muss.

Da es in Bremerhaven mit vier Eisbären zu eng wurde und im Zoo Karlsruhe auf einer großen Anlage nur eine Bärin lebte, gab der Zoo am Meer schweren Herzens Lloyd nach Karlsruhe ab. Dort sollte mit ihm auch nicht gezüchtet werden und so kam er über die Zwischenstation Zoo Budapest in die neue Eisbären-Anlage in Sosto, ebenfalls Ungarn. Dort wurde er ungeplant noch einmal Vater und dort ist er auch jetzt verstorben.  

Lloyd war immer ein toller, stattlicher Bär ohne „Macken“. Wir werden immer gerne an ihn zurückdenken, ein besonderes Charaktertier, das man nie vergisst.