FAQ Nordsee-Aquarium

Nachzucht von Fischen

Wir investieren viel Ressourcen und Mühe um einige Fischarten zu züchten. Dazu gehören unter anderem die Dreistachligen Stichlinge, die Seestichlinge und Seenadeln. Dazu züchten wir bei Bedarf weitere Arten wie zum Beispiel Seehasen und Aalmuttern. Wir tragen außerdem zur gezielten Erhaltungszucht im EEP (EAZA Ex situ Programmes = Erhaltungszuchtprogramm) der Nagelrochen und seit 2025 auch der Kurzschnäuzigen Seepferdchen bei. Dazu gewinnen wir auch bei anderen Arten kontinuierlich an Wissen dazu, so konnten wir beispielsweise 2026 das erste Mal Felsengarnelen nachziehen. Insbesondere auf die kurzlebigen Arten der Nordsee, haben wir ein besonderes Augenmerk.

Genau wie bei den Säugetieren und Vögeln, werden unsere Nachzuchten unentgeltlich in einem breiten internationalen Netzwerk aus Aquarien, Zoos und Nationalparkhäusern abgegeben. Genauso, wie wir von anderen Tierhaltern Tiere beziehen. Über die letzten Jahre sind ca. 300 Jungfische aus unserer Nachzucht als Abgang in andere Aquarien umgezogen. So sind zum Beispiel ca. 130 junge Seehasen inzwischen in fünf verschiedene Länder gezogen.

Die Nachzucht bei den oben genannten Arten findet ausschließlich hinter den Kulissen statt. Hierbei sind ausschließlich die Ansprüche der Fische für die Einrichtung der Becken ausschlaggebend, die Optik spielt im Gegensatz zum für den Besucher einsehbaren Bereich keine Rolle. Hintergrund ist hier, dass die Jungfische meistens in kleineren Aquarien aufgezogen werden, da diese täglich komplett gereinigt werden können. Jungfische benötigen nämlich gleichzeitig sehr viel Futter und eine hohe Hygiene.

In der Natur gibt es unterschiedliche Fortpflanzungsstrategien. Eine Strategie geht auf, wenn für jedes Elterntier ein Jungtier in der nächsten Generation überlebt. Hierbei kann zum einen sehr viel Energie in ein einzelnes Jungtier investiert werden, welches dann eine höher Überlebenswahrscheinlichkeit hat (z.B. Menschenaffen, Robben), oder es gibt sehr viele Jungtiere, bei denen dann die Chance zu Überleben für jedes einzelne geringer ist (z.B. diverse Fische, Mäuse). Fische produzieren in der Regel sehr viele Nachwuchs, von denen aber ein Großteil stirbt oder gefressen wird. Die Überlebensrate ist im Aquarium deutlich höher, kann aber nie 100% erreichen.

Dabei sind gerade Fischarten mit einem schnellen Generationswechsel empfindlich für kurzfristige Änderungen in ihrer Umwelt, z. B. durch menschliche Aktivitäten wie Schleppnetzfischerei. Beispielsweise pflanzen sich Seestichlinge nur einmal im Jahr fort, anschließend versterben alle Alttiere. Wenn nun nach der Fortpflanzung zum Beispiel ein Schleppnetz durch eine Seegraswiese fährt, kann sich der Bestand nicht mehr erholen. Daher sind Seestichlinge in der Nordsee regional sogar ausgerottet. Auch im Zoo am Meer versterben die Alttiere völlig natürlich jedes Jahr, wir können jedoch als gesicherte Reservepopulation jedes Jahr Jungfische großziehen.

 

Medizinische Versorgung im Aquarium

Unsere Tiere im Aquarium werden genauso wie alle unsere anderen Tiere von unserem fachkompetenten Team der Tierpflege, Biologie und Tiermedizin betreut.

Durch die Zusammenarbeit mit einem weiten Expertennetzwerk wird hierbei angestrebt, gemeinsam die medizinische Versorgung dieser spannenden Tiere kontinuierlich zu verbessern. Dabei müssen wir immer wieder neue Wege gehen, während es für Tiere wie Rinder, Schweine und Hunde viele speziell entwickelte Heilmittel und Methoden gibt, werden für Exoten wie Fische oder andere Wildtiere deutlich seltener spezielle Medikamente entwickelt. Zoos sind hier häufig Vorreiter.

Beim Auftreten von Krankheitsfällen im Zoo am Meer werden stets die besten Behandlungsoptionen für das erkrankte Tier sorgfältig geprüft. Dabei werden Aspekte wie Medikamentenwirksamkeit, Beeinträchtigung des Tiers, soziales Zusammenleben, Vorhandensein einer Ansteckungsgefahr und viele weitere Punkte berücksichtigt. Gibt es keine anderen erfolgversprechenden Möglichkeiten, so ist auch hier eine Euthanasie im Sinne des Tierwohls, wie bei anderen Tieren, die letzte Option.

 

Oktopushaltung

Wir halten im Zoo am Meer den Gewöhnlichen Oktopus (Octopus vulgaris). Je nach Lebensart und -umständen werden die Tiere nur durchschnittlich zwei Jahre alt – ein Jahr zum Großwerden, eins zur Fortpflanzung. Dies ist auch in der Natur so. Gelegentlich werden sie im Aquarium ein wenig älter, vor allem durch die gute Futterversorgung und das Fehlen von Feinden.

Wie auch bei allen anderen Tierarten richtet sich die Beschaffenheit der Aquarien in denen bei uns im Zoo am Meer Oktopusse leben nach den wissenschaftlichen Erkenntnissen über diese Art Die Tiere werden intensiv durch unser Team der Tierpflege, die Biologinnen und den Tierarzt betreut. Wir befinden uns in einem kontinuierlichen Prozess der Evaluation und passen unsere Tierhaltung an, wenn es neue Erkenntnisse aus der Forschung gibt.

Dabei kommt es vor, dass wir nicht nur den Oktopus im Nordsee-Aquarium halten, sondern gleichzeitig noch einen zweiten hinter den Kulissen. Gerade bei weiblichen Oktopussen ist absehbar, dass sie kurz nach der Eiablage versterben, da sie aufhören zu fressen. Dies müssen sie, da sie in der Natur ihr Gelege bewachen müssen. Dieses Verhalten ist genetisch angelegt, sodass die Tiere, selbst wenn man ihnen Futter anbietet, nicht fressen. Daher kann es sinnvoll sein, dass ein zweiter Oktopus bereits seine vorgeschriebene Quarantäne hinter den Kulissen durchläuft.

Der Zoo am Meer hat für viele Tierarten Gehege, die nicht für unsere Besuchenden einsehbar sind. Diese können, je nach Tierart und Bedürfnissen, zu unterschiedlichen Zwecken genutzt werden. Sei es zur Zucht, zur Aufzucht, für Behandlungen, Quarantänen oder aber auch als Rückzugsbereich werden diese Anlagen den Tieren zur Verfügung gestellt. Die Haltung der Tiere hinter den Kulissen ist genauso auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet wie die Gehege, die zu sehen sind. Der Bildungsauftrag, bei der optisch naturnahen Gestaltung der sichtbaren Gehege berücksichtigen, entfällt jedoch. Daher sehen manche Gehege erstmal optisch nicht hübsch aus, was sie aber nicht weniger gut in ihrer Einrichtung für die spezielle Tierart macht.