Für jedes Tier ein ganzes Team!

Tierpflegende, Tierärzte, Gärtner, Handwerker, Biologen, Forschende, Pädagogen, Verwaltung: In wissenschaftlich geführten Zoos sorgen Menschen aus Dutzenden Berufen gemeinsam für Tierwohl, Artenschutz, Forschung und Bildung – oft lange bevor die ersten Gäste kommen und natürlich auch am Welttierschutztag.

Bremerhaven, im Oktober 2026 – Um sieben ist es noch still im Zoo. Die Tierpflegenden sind jedoch schon vor Ort und kümmern sich um die Tiere. Sie füttern, versorgen und beobachten sie. So startet der Arbeitstag in einem modernen Zoo, lange bevor die Besucherinnen und Besucher den Zoo betreten.

So oder ähnlich beginnt der Morgen in den 71 wissenschaftlich geführten Zoos im Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Spanien. Rund 41 Millionen Gäste besuchen diese Zoos im Jahr. Sie kommen wegen der Tiere. Was sie selten sehen: das große Team, das sich für die Tiere einsetzt. Vor fast 100 Jahren wurde am 4. Oktober der Welttierschutztag ausgerufen, um auf die besondere Verantwortung der Menschen für die Tiere aufmerksam zu machen. In den Zoos ist das gelebte Realität – an jedem Tag im Jahr.

Von der Futterküche bis zur Werkstatt
Tierpflegerinnen und Tierpfleger begleiten ihre Tiere oft über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte und kümmern sich tagtäglich um das Wohl ihrer Schützlinge. Tierärztinnen und Tierärzte behandeln am Vormittag einen Seelöwen und am Nachmittag einen Seehasen, kümmern sich um Impfungen und überwachen die Gesundheit der Tiere. Biologinnen und Biologen planen, welche Tiere genetisch gut zusammenpassen und wie ein Lebensraum im Zoo gestaltet sein muss, damit die Bedürfnisse der tierischen Bewohner erfüllt sind. Gärtner pflegen den Baumbestand auf dem Gelände und die Grünflächen. Handwerker bauen Kletterbäume, Futterkisten und Rückzugsorte. Zoopädagogen zeigen Schulklassen, wie ein Tier lebt und erklären, warum es im natürlichen Lebensraum bedroht ist. Dazu kommen Haustechnik, Verwaltung, Kasse, Gastronomie und viele mehr. VdZ-Zoos schaffen über 7.000 Arbeitsplätze im deutschsprachigen Raum.

„Tierwohl entsteht nicht auf dem Papier, sondern wird jeden Tag gelebt. Es braucht ein Team von gut ausgebildeten Menschen – im Stall, in der Werkstatt, im Management und in der Verwaltung“, sagt Volker Homes, VdZ-Geschäftsführer. „Um die Aufgaben der Zoos umzusetzen, brauchen wir Expertinnen und Experten mit sehr unterschiedlichen Berufen, die das gemeinsame Ziel haben: Den Tieren geht es gut! Wir lernen jeden Tag mehr über sie und geben dieses Wissen und die Begeisterung auch an unsere Besucher weiter. Und wir teilen es mit einem großen globalen Netzwerk mit vielen aktiven Partnern, denn nur gemeinsam können wir bedrohte Arten schützen.“

Lernen, forschen, staunen
Für viele Menschen ist der Zoo der erste Ort, an dem sie einem Humboldt-Pinguin, einer Schnee-Eule oder einem Puma gegenüberstehen. Zoopädagoginnen und Zoopädagogen machen daraus Unterricht zum Anfassen, mit Führungen, Schulprogrammen und Projekttagen. Jährlich nehmen rund 1,2 Millionen Zoobesuchende an über 170.000 speziellen Bildungsangeboten der VdZ-Zoos teil.

Auch die Forschung lebt von Zusammenarbeit. Gemeinsam mit Hochschulen und weiteren Forschungseinrichtungen untersuchen Zoos etwa Verhalten, Ernährung oder Tiermedizin. Die Erkenntnisse helfen den Tieren im Zoo und oft auch ihren Artgenossen in der Natur. Die VdZ-Zoos wirken jährlich an rund 200 wissenschaftlichen Studien mit. Moderne Zoos sind Wissenschafts- und Forschungsstandorte.

Teamarbeit als Brücke zwischen Zoo und Natur
Mehrere hundert wissenschaftlich geführte Zoos in ganz Europa stimmen sich ab, welche Tiere in welchem Zoo leben und Nachwuchs bekommen. So bleiben gesunde, genetisch vielfältige Bestände bedrohter Arten erhalten. Was das bewirken kann, zeigen Tiere wie der Europäische Wisent, der Luchs, der Feldhamster, das Przewalskipferd, der Gänsegeier, der Waldrapp, die Europäische Sumpfschildkröte und noch viele weitere, die wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum angesiedelt werden können. Dabei arbeiten Zoos eng mit Universitäten, Naturschutzorganisationen und Behörden zusammen und unterstützen Schutzprojekte vor Ort.

59 Millionen Euro haben VdZ-Zoos alleine in den vergangenen fünf Jahren in Natur- und Artenschutzprojekte weltweit investiert. Jährlich wildern sie in gemeinsamen Projekten rund 500 Tiere aus rund 20 gefährdeten Tierarten in Europa aus und zusätzlich über 230.000 Insekten, Amphibien und Fische. Und sie engagieren sich mit Personal, Expertenwissen und Sachspenden in mindestens 155 Projekten in 55 Ländern weltweit.

„Heute sind viele Mitglieder des VdZ Teil des Netzwerks der Weltnaturschutzunion IUCN und Experten aus Zoos leisten einen direkten Beitrag zur Arbeit der IUCN-Kommission für das Überleben gefährdeter Arten“, sagt Her Excellency Razan Khalifa Al Mubarak, IUCN-Präsidentin. „Der Verband der Zoologischen Gärten spiegelt dieses Engagement wider. Die Zoos dieses Verbandes begrüßen jedes Jahr Dutzende Millionen Besucher, leisten Beiträge zur wissenschaftlichen Forschung und unterstützen Schutzprojekte auf der ganzen Welt. In einer Zeit, in der der Verlust der biologischen Vielfalt eine der größten modernen Herausforderungen darstellt, sind Partnerschaften wie diese wichtiger denn je.“